Kirchenpachtland

„Kirchenland in Bauernhand!“

Die evangelische Kirche Mitteldeutschland (EKM) wird ihrem selbstgestellten Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung nicht gerecht“, so Michael Grolm, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL). „Nach wie vor verpachtet die Kirche den überaus größten Teil ihres Landbesitzes an agrarindustrielle Unternehmen, die mit ihrer Großflächenlandwirtschaft und intensivem Düngemittel- und Pestizideinsatz mit die Hauptverursacher des Artensterbens in unserer Region sind, wie zahlreiche Studien eindrucksvoll belegen.“

Dabei sah es vor ein paar Jahren gar nicht so schlecht aus: als erste und bislang einzige Landeskirche in Deutschland beschloß die EKM, ihre fast 88.000 ha Land nach einem einheitlichen Kriterienkatalog zu verpachten, um hier lenkend eingreifen zu können. „Aber die Kriterien gehen nicht weit genug.“, so Grolm. Aspekte wie bodengebundene Tierhaltung, ökologische und gentechnikfreie Bewirtschaftung oder auch Arbeitskräftebesatz je Hektar blieben leider völlig unberücksichtigt.

Seit Jahren prangern wir dies an und schaffen dafür Öffentlichkeit – nun mit einem ersten Erfolg: in den nächsten Monaten will die Kirche ihre Pachtkriterien auf den Prüfstand stellen und öffentlich diskutieren, dabei wird auch der Kriterienkatalog der AbL eine Rolle spielen – welche wird auch vom Druck der Öffentlichkeit und Kirchenbasis abhängen.

Zur Eröffnung der Herbsttagung der II. Landessynode am 19.11.2015 überreichte die Landesbischöfin Ilse Junkermann uns den Vorschlag, den die Verwaltung EKM nun auch per Internet allen Kirchgemeinden zur Diskussion stellt. Leider weckte ihre engagierte Rede mehr Hoffnungen, als das Papier halten kann: viele der Vorschläge, die die AbL schon vor Jahren unterbreitet hatte, finden sich gar nicht, oder nur sehr zart angedeutet wieder. Sollte der Vorschlag so in der Herbstsynode 2016 angenommen werden, würde sich in der Realität draußen nichts ändern – nach wie vor würde das Land vorrangig an agrarindustrielle Betriebe verpachtet mit all den Auswirkungen auf Mensch und Natur, die die Kirche außerhalb Europas ja so gerne und zu Recht anprangert.

Deshalb haben wir eine Stellungnahme zu diesem Vorschlag erarbeitet und fordern alle Interessierten auf, diese in ihrer jeweiligen Kirchgemeinde zu diskutieren und wenn möglich über diese einzureichen. Sollte dies nicht gehen, so nehmen auch wir die Stellungnahmen gerne an. Wenn der Druck der Kirchenbasis und Öffentlichkeit ausreicht, so könnten sich in den nächsten Jahren doch noch überall in der Landschaft Oasen der Vielfältigkeit für Mensch und Natur ausbreiten – unterstützen wir sie dabei!

Lesen Sie auch unser Anschreiben an die Gemeindekirchenräte und unsere Stellungnahme.