Medieninformationen

28. September 2017 – AbL legt Plan zum weiteren Umbau der Nutztierhaltung in Thüringen vor

„Die gestern beschlossene Einführung von Tierobergrenzen in der Stallbauförderung ist ein erster Schritt zum Umbau der Nutztierhaltung in Thüringen und somit zum Stopp des seit Jahrzehnten ständig voran schreitenden Rückgangs der Tierzahlen in Thüringen“, sagt Reiko Wöllert, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) und selber Milchbauer. „Wir brauchen mehr Nutztiere in Thüringen, deshalb fordern wir die Landesregierung auf, nun endlich Maßnahmen umzusetzen, die dies unterstützen!“

„So wird mittlerweile ein Großteil der Milchkühe das ganze Jahr im Stall gehalten und mit einem Einheitsbrei aus Silage und Kraftfutter gefüttert, weil das schlicht billiger ist. Dabei ist es auch wissenschaftlich erwiesen, daß Kühe, die ihr Futter auf der Weide selber suchen können, nicht nur gesünder sind, sondern auch gesündere Milch geben. Hinzu kommt, daß durch Weidewirtschaft nachweislich das Insektenleben und somit auch die Vogelwelt gefördert wird – Naturschutz pur, quasi nebenbei! Deshalb fordern wir ein Programm zur Förderung der Weidehaltung von Milchvieh, das die höheren Kosten kompensiert und wieder mehr Kühe aus den Ställen holt. Sind jedoch zu viele Kühe in einem Stall, werden die Wege bis zur nächsten Weide so weit, daß Weidegang schon deshalb nicht mehr möglich ist. Hier sind kleinere Ställe eindeutig tiergerechter!“, so Wöllert.

„Auch in der Schweinehaltung gilt es einiges zu verbessern. Üblicherweise werden Schweine in extrem reizarmer Umgebung auf Spaltenböden gehalten und würden sich vor lauter Langeweile die Ringelschwänze abbeißen, wenn man sie ihnen nicht schon abgeschnitten hätte. Eine Haltung auf Stroh würde viele Probleme lösen, ist aber für große, durch rationalisierte Betriebe aufgrund der schieren Menge an benötigtem Stroh und damit anfallendem Mist nur extrem schwer zu realisieren. Deshalb fordern wir, daß in Zukunft nur noch Ställe gefördert werden, in denen die Schweine ihre Schwänze behalten können. Außerdem sollte generell die Haltung von Tieren auf Stroh gefördert werden, um die Mehrkosten hierfür auszugleichen, solange dies noch nicht über einen höheren Erzeugerpreis erzielt werden kann“, sagt Wöllert.

Damit wird es uns gelingen, den von der Zivilgesellschaft schon lange geforderten Umbau der Nutztierhaltung auch in Thüringen voran zu treiben und somit langfristig die Existenz von bäuerlichen Betrieben zu sichern. Denn wenn wir so weiter machen wie bislang ist klar, daß sich der rasante Abbau der Tierhaltung der letzten Jahrzehnte in Thüringern weiter fortsetzen wird. Ein besonders eklatantes Beispiel dafür ist die vom Bauernverband und den Großmolkereien forcierte Abschaffung der Milchquote vor zwei Jahren mit dem Ziel der Produktionssteigerung und Exporterhöhung. In deren Folge haben viele, auch große und sehr große Betriebe, ihre Milchkühe verkaufen müssen, da sich reine Massenproduktion einfach nicht mehr rechnet, wenn die Wertschöpfung nicht auf den Höfen bleibt. Klasse statt Masse ist jetzt gefragt und wird von den Verbraucherinnen und Verbrauchern honoriert. Auf diesem Weg sollten wir die Betriebe in Thüringen begleiten und unterstützen“, sagt der Milchbauer aus Haina.

 

25. September 2017 – Mutig, gut und gerne

Kommentar zur Bundestagswahl

Welche Machtoptionen es im Bund jetzt gibt, ist mit dem Wahlergebnis von Sonntagabend geklärt. Welche Parteien die Koalition bilden werden, wird – je nach dem – vielleicht erst nach der Niedersachsen-Wahl am 15. Oktober entschieden. Längst bekannt aber sind die agrarpolitischen Aufgaben, die nun endlich zielführend angegangen, im möglichst breiten gesellschaftlichen Konsens entschieden und tatkräftig umgesetzt werden müssen.

In der Tierhaltung ist der Handlungsdruck besonders groß. Hier verlieren wir besonders viele Betriebe, und die Erwartung der Gesellschaft nach mehr Tier- und Umweltschutz ist keine Mode, sondern tief verankert, partei-übergreifend. Nicht zufällig zimmern alle großen Handelsketten an eigene Auflagen für ihre Fleisch- und Milchmarken. Es ist Aufgabe der Politik, Klarheit und Planbarkeit zu schaffen für Bauern, Verbraucher und die Gesellschaft insgesamt: Welche Qualitätsstandards wollen wir in 10 bis 15 Jahren erreichen? In welchen Schritten? Mit welcher sicheren finanziellen Unterstützung? Wie schaffen wir eine kompetente Beratung für die neuen Stall- und Haltungssysteme? Wann liegen endlich die immissionsschutzrechtlichen Grundlagen vor, damit die umgebauten oder neuen Außenklimaställe genehmigt werden können? Welche Instrumente installieren wir, damit preisdrückende Überschüsse vermieden werden? Wie kennzeichnen wir die unterschiedlichen Qualitätsstandards bei Fleisch und Milch, damit alle als Verbraucherinnen und Verbraucher den notwendigen Umbau der Tierhaltung beim Einkauf aktiv unterstützen können? Und wie qualifizieren wir auch den Außenschutz, damit höhere Standards nicht durch Dumpingimporte ausgehebelt werden?

Viele Antworten sind entscheidungsreif. Sie müssen zu einem schlüssigen Konzept zusammengebunden, beschlossen und umgesetzt werden. Damit muss beides erreicht werden: den Bauern und Bäuerinnen eine wirtschaftliche, praktikable und ihre Arbeit anerkennende Perspektive eröffnen und gleichzeitig die notwendigen Veränderungen in der Tierhaltung erreichen. Ermutigung in der Veränderung!

Die zweite große Baustelle ist die EU-Agrarpolitik. Sowohl beim Aufstellen des nächsten Mehrjährigen Finanzrahmens der EU für die Jahre nach dem Brexit als auch bei der inhaltlichen Reform der Agrarpolitik kommt es sehr auf die neue Bundesregierung an. Bei der letzten EU-Agrarreform war Berlin der größte Widersacher sowohl gegen eine stärkere Bindung der Zahlungen an konkrete gesellschaftliche Leistungen als auch gegen die Aufnahme von Vorsorgeinstrumenten gegen Marktkrisen wie im Milchbereich. Beides muss nun kommen.

Die AbL plädiert dafür, die heutigen Direktzahlungen über ein Punktesystem grundlegend anders einzusetzen. Die Gelder sollen an die Betriebe gehen, die besondere gesellschaftliche Leistungen erbringen, und nicht länger Flächenbesitz und damit Landkonzentration belohnen. Wer Landschaftsstrukturen wie Hecken erhält, Grünland bewirtschaftet, wer eine vielfältige Fruchtfolge mit Leguminosenanbau beachtet und Tiere artgerecht und im guten Verhältnis zur Fläche hält, der erwirbt damit automatisch Punkte, die sich in leistungsgebundene Prämien übersetzen. Auch der hohe Wert vielfältiger, kleinerer und mittlerer Betriebsstrukturen soll positiv bewertet werden.

Ob es schon 2019/2020 zu einer echten EU-Agrarreform kommt ist unsicher. Umso wichtiger ist es, dass Bund und Länder die Möglichkeiten nutzen, die Brüssel schon jetzt bietet: Die höhere Umschichtung von Direktzahlungen auf die ersten Hektar stärkt besonders tierhaltende Betriebe. Die höhere Umschichtung in bestimmte Fördermaßnahmen der 2. Säule kann und muss den Umbau in der Tierhaltung und der Flächennutzung ebenfalls unterstützen. Und im Milchbereich sollte Deutschland die Molkereien dazu verpflichten, mit den Milcherzeugern Lieferverträge zu verhandeln, die vor der Lieferung Preis, Menge und Qualität benennen.

Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt gilt es, zu einer guten und mutigen Politik zu kommen, damit wieder mehr junge Menschen gerne in die Landwirtschaft einsteigen.

Ulrich Jasper, AbL-Geschäftsführer

21. September 2017 – Auch Molkereien sollten mehr für Butter zahlen

AbL fordert höhere Bezahlung für fettreiche Milch. Verarbeiter sollen Marktsignale an Bauern weitergeben, auch angesichts wieder wachsender Pulverberge

Butter ist wertvoll geworden. Im Laden werden für das 250-Gramm-Päckchen knapp zwei Euro bezahlt, entsprechend hoch sind die Erlöse der Molkereien für das begehrte Milchfett. Ganz anders ist die Situation bei der Eiweißkomponente der Milch – die Notierung für Magermilchpulver klebt am staatlichen Interventionspreis fest. Die EU vergrößert derzeit durch staatlichen Aufkauf ihren Magermilchpulverberg noch weiter, auch in Deutschland.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) fordert von den Molkereien, auf diese unterschiedlichen Marktentwicklungen zu reagieren und den Milchbauern durch eine andere Preisgestaltung die aktuellen Marktanreize weiterzugeben.

„Milch mit hohen Fettgehalten muss gezielt besser bezahlt werden. Der Markt braucht nicht insgesamt mehr Milchmenge, sondern honoriert seit Monaten speziell das Fett. Die Molkereien aber senden an die Bauern weiterhin das gegenteilige Signal. Sie bewerten den Prozentpunkt Eiweiß in der Rohmilch etwa doppelt so hoch wie den Prozentpunkt Fett. Das widerspricht dem Markt und muss von den Molkereien korrigiert werden“, fordert Reiko Wöllert, Geschäftsführer der AbL Mitteldeutschland und selber Milchbauer.

Die Milcherzeuger könnten über eine angepasste Futterzusammensetzung durchaus auf solche geänderten Marktsignale aktiv reagieren. „Über höhere Rohfaseranteile wie Heu oder Grassilage und geringere Kraftfuttergaben lässt sich der Fettgehalt der Milch erhöhen“, so Wöllert. Das senke zwar die Milchmenge insgesamt, aber bei einer höheren Fettvergütung würde sich das für die Milchbauern rechnen. „Angesichts der Pulverberge und wieder steigender Milchmengen in Norddeutschland wäre das auch für den Gesamtmarkt ein gutes Signal“, so  Wöllert .

11. September 2017 – Nach den Wahlen sind Bundes- und Landesregierung in der Pflicht zu handeln: Landwirtschaft und Agrarpolitik stehen vor wichtiger Weichenstellung

AbL fordert konkrete Maßnahmen für bäuerliche Betriebe, Tierschutz und Umwelt

Nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) geht es bei den Bundestagswahlen auch um die Zukunft der Landwirtschaft und der Agrarpolitik. „Es ist eine wichtige Weichenstellung: Weiter so mit dem rasanten Höfesterben oder konkrete Maßnahmen für bäuerliche Betriebe, Tierschutz und Umwelt“, so Michael Grolm, Vorsitzender der AbL Mitteldeutschland. Die AbL ist heute mit einem Trecker vor den Landtag gefahren und hat ein agrarpolitisches Positionspapier an den Staatssekretär des TMIL, Herrn Dr. Sühl, überreicht.

Der AbL-Landesvorstand erklärt:

„Bäuerinnen und Bauern sind bereit, für einen Umbau in der Landwirtschaft und damit für ihre Zukunft auf den Höfen zu arbeiten. Notwendig dafür ist ein agrarpolitischer Rahmen, der wieder mehr Menschen eine wirtschaftliche Perspektive in der Landwirtschaft eröffnet und der die notwendige Zustimmung der Zivilgesellschaft findet. Alle Verantwortlichen im Bund und in den Länderregierungen sind in der Pflicht, bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen und in der Ende September stattfindenden Bund- Länder-Agrarministerkonferenz ermutigende Beschlüsse zu fassen.

Die AbL fordert von der neuen Bundesregierung und von den Länderregierungen u.a.:

1. Die Tierhaltung, insbesondere die Schweine- und Geflügelhaltung, muss umgebaut werden. Das kostet viel Geld und damit dürfen die Bauern nicht allein gelassen werden. Bund- und Landesregierung müssen ein befristetes Finanzierungsinstrument dafür schaffen und klare verständliche Qualitäts-Kennzeichnungsregeln verbindlich festlegen.

2. Der Agrarexport auf den Weltmärkten zu niedrigsten Preisen, u.a. in arme Länder der Welt, muss beendet werden. In den Agrarhandel sollen ausschließlich Qualitätsprodukte mit hoher Wertschöpfung gehen. Die Freihandelsabkommen, die Regelungen zu Gunsten der Agrarindustrie und zum Nachteil der Bauern festlegen, sind zu stoppen (z.B. Ceta, Jefta).

3. Der Milchmarkt braucht faire Regeln und Qualitätsorientierung. Statt durch steigende Erzeugungsmengen sehenden Auges in die nächste Milchpreiskrise zu schlittern, müssen Mengenreduzierende Maßnahmen unterstützt werden. Die AbL fordert eine Marktdifferenzierung durch Qualität- z.B. Weidehaltung, Langlebigkeit der Kühe, grasbetonte, Kraftfutterreduzierende Fütterung.

4. Bodenpolitik für Bauern. Bund und Länder sollen nicht weiter den Bodenkauf durch außerlandwirtschaftliche Investoren beklagen, sie sollen ihn gesetzlich beenden. Nicht die flächenstärksten Betriebe sondern bäuerliche Betriebe und insbesondere junge Menschen, die sich in der Landwirtschaft eine Existenz aufbauen wollen, müssen ein Vorkaufsrecht erhalten.

5. Die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung sind bundesweit sicher zu stellen. Die neuen Gentechnikverfahren sind als Gentechnik einzustufen und zu regulieren. Das Vorsorgeprinzip und die Saatgutreinheit sind zu gewährleisten. Die AbL schlägt einen Saatgutfonds vor, um eine gentechnikfreie, nachbaufähige Saatgutzüchtung zu fördern. Der Patentierung von Pflanzen und Tieren muss ein wirksamer politischer Riegel vorgeschoben werden.

6. Die zukünftige EU-Agrarpolitik muss sich an Leistungen für die Gesellschaft orientieren. Die bisherige EU-Agrarpolitik mit der völlig unakzeptablen Verteilung der Direktzahlungen – 85 Prozent der EU-Zahlungen gehen an 20 Prozent der Betriebe – ist grundlegend zu reformieren. Die AbL fordert, durch einen höheren Aufschlag auf die ersten Hektare und Qualifizierung sowie Staffelungen der Zahlungen bäuerliche Betriebe zu stärken. Die Qualifizierung soll durch ein Punktesystem erfolgen. Gefördert werden Betriebe, die u.a. Tiere artgerecht halten, Grünland nutzen, eine vielfältige Fruchtfolge mit einheimischen Eiweißpflanzen beachten, wirksame Maßnahmen zum Bienen-, Trinkwasser- und Klimaschutz anpacken und so einen aktiven Beitrag zur Artenvielfalt leisten“.

Das vollständige Positionspapier finden Sie anbei.

Für Rückfragen: Michael Grolm, 0170-1087174.

Das beigefügte Foto kann frei verwendet werden, bitte „AbL“ als Autor angeben.

[Foto: P. Kirch]

AbL zur Bundestagswahl 2017

 

8. September 2017 – „Allee des Landraubs“: Bauern pflanzen 42 Bäume gegen Ausver­kauf von landwirtschaftlichen Flächen

Pressemitteilung der „Wir haben es satt!“-Aktionstour gegen Konzernmacht, Landraub und Tierfabriken

Bauern aus Ostdeutschland mit zivilem Ungehorsam gegen Landraub und -konzentration / Investoren gefährden bäuerliche Betriebe durch massiven Aufkauf von Acker- und Weideland

Sömmerda (Thüringen). Mit einer spektakulären Aktion protestierten Bäuerinnen und Bauern aus Ostdeutschland heute Morgen gegen Landraub. Sie pflanzten in einer ausgeräumten Agrarlandschaft 42 Apfelbäume auf ein 130-Hektar großes Ackerstück der Südzucker AG, das der Konzern sich widerrechtlich angeeignet hatte. Unterstützt wurden sie von den Teilnehmern der „Wir haben es satt!“-Aktionstour für eine andere Agrarpolitik, die vor der Bundestagswahl quer durch Deutschland führt. Im Anschluss weihten die Demonstranten feierlich die „Allee des Landraubs“ ein und übergaben sie der Gemeinde Sömmerda, der rechtmäßigen Eigentümerin der Flächen. Es handelt sich um den ersten Akt zivilen Ungehorsams, mit dem Bauern hierzulande gegen Landraub protestieren. Ihre Kritik: Immer mehr außerlandwirtschaftliche Investoren entziehen Landwirten Acker- und Weideland. So auch im Fall der insgesamt 2500 Hektar großen Fläche in Sömmerda, die der Großkonzern Südzucker im vergangenen Jahr für 29 Millionen Euro von der Terra eG, einer ehemaligen LPG, erworben hat.

„Diese Allee ist ein Symbol des Kampfes für eine gerechte Landverteilung“, erklärte Michael Grolm, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland. „Wir haben heute 42 Bäume gepflanzt. Einen für jeden ehemaligen Genossen der Terra eG. Diese noch ver­bliebenen Genossen haben mit dem Verkauf an Südzucker 29 Millionen gemacht, obwohl sie das Land nach der Wende extrem vergünstigt bekommen haben. Wir fordern in allen Bundesländern Agrarstrukturgesetze, die garantieren, dass nur landwirtschaftliche Betriebe Agrarflächen kaufen können. Außerdem müssen Anteilskäufe und andere Tricks, die außerlandwirtschaftliche Investoren nutzen, um an Boden zu kommen, verboten werden.“

Landraub ist längst auch ein Problem in Deutschland. Investoren zahlen heutzutage Preise, die in der Landwirtschaft nicht erwirtschaftet werden können. Dabei wird meist das Grundstücksverkehrsgesetz umgangen, das eine Landvergabe an landwirtschaftliche Betriebe vorschreibt. Weil sich die Situation zunehmend zuspitzt, sind die Bauern heute aktiv geworden: Viele Betriebe bekommen kein Land mehr und sind daher in ihrer Existenz bedroht. So gehören etwa im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte nach Angaben des Thünen-Instituts mittlerweile 43 Prozent der Agrarflächen außerlandwirtschaftlichen Investoren. Im Landkreis Sömmerda, wo die Allee gepflanzt wurde, ist bereits jeder fünfte Betrieb in Hand von Unternehmen, die weder lokal verankert sind noch ihren Ursprung in der Landwirtschaft haben. Diese Konzerne zahlen in der Regel keine Steuern vor Ort und sorgen dafür, dass auf lange Sicht Arbeitsplätze in der Region abgebaut werden. Die Konsequenz: Der Ausverkauf des ländlichen Raums.

Jochen Fritz, Landwirt im Nebenerwerb und Organisator der „Wir haben es satt!“-Demonstrationen, zu der alljährlich im Januar Zehntausende in Berlin für eine andere Agrarpolitik auf die Straße gehen, sagte: „Es ist ein Skandal, dass Bauern sich landwirtschaftlichen Boden nicht mehr leisten können. Die Preise haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Auch deshalb können viele Bauern heute nicht mehr von dem leben, was sie anbauen und müssen ihre Höfe schließen. Die Zivilgesellschaft will bäuerliche Betriebe und eine vielfältige Landwirtschaft. Wir fordern eine bevorzugte Landvergabe an bäuerliche Betriebe und junge Menschen, die eine Zukunft in der Landwirtschaft suchen. Dafür treten wir auch jetzt vor der Bundestagswahl ein.“

An den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, Agrarministerin Birgit Keller und Umweltministerin Anja Siegesmund gerichtet formulierten die Bauern das Angebot, weitere Bäume mit ihnen zu pflanzen und Farbe zu bekennen. Zugleich forderten sie die Politiker auf, noch in dieser Legislaturpe­riode ein Agrarstrukturgesetz auf Landesebene zu verabschieden.

Fotos in druckbarer Qualität zur freien Verwendung finden Sie unter: www.wir-haben-es-satt.de/presse

Hintergrund:
Die Südzucker AG hat im Juni 2016 für 29 Millionen Euro den ehemaligen LPG-Betrieb Terra eG mit 2500 Hektar gekauft. Auf einem 130 Hektar großen Flurstück dieser Fläche in Sömmerda wurde nun die „Allee des Landraubs“ gepflanzt, die von 42 drei Meter hohen Apfelbäumen umsäumt wird. Sie hat eine Breite von 11 Metern, was dem im Kataster der Gemeinde eingetragenen öffentlichen Weg entspricht, der an dieser Stelle sein sollte. Viele derartiger Wege wurden in der Vergangenheit zu Ackerland umgewandelt oder auf eine minimale Breite reduziert. Dies geschah zumeist widerrechtlich und ohne die notwendige Zahlung von Pachtgebühren an die Gemeinde – so auch in diesem Fall.

Die Aktion fand im Rahmen der „Wir haben es satt!“-Aktionstour gegen Konzernmacht, Landraub und Tierfabriken statt. Aufgerufen von den mehr als 45 Trägerorganisationen aus Landwirtschaft und Zivilgesellschaft demonstrierten Teilnehmer am Mittwoch (6.9.) in Leverkusen gegen die geplante Übernahme von Monsanto durch die Bayer AG. Am Samstag, den 9.9. findet die große Abschlussdemonstration zum Wiesenhof-Schlachthof in Königs Wusterhausen bei Berlin statt, wo der größte deutsche Geflügelhersteller künftig 240.000 Hühner am Tag schlachten will. Das breite gesellschaftliche Bündnis fordert vor der Bundestagswahl die rasche Umsetzung der Agrar- und Ernährungswende. Weitere Informationen: www.wir-haben-es-satt.de

Bitte beachten Sie auch die beigefügten Hintergrundinformationen der AbL Mitteldeutschland sowie den Thünen Report 35 „Überregional aktive Kapitaleigentümer in ostdeutschen Agrarunternehmen: Bestandsaufnahme und Entwicklung“ unter http://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn056046.pdf

Für Rückfragen:
Michael Grolm, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland, Mobil: 0170-1087174, Mail: mitteldeutschland@abl-ev.de

Jochen Fritz, „Wir haben es satt!“-Sprecher, Mobil: 0171-8229719, Mail: fritz@meine-landwirtschaft.de

Pressekontakt:

Christian Rollmann, Kampagne „Meine Landwirtschaft“/Wir haben es satt!, Mobil: 0151-51245795, Mail: rollmann@meine-landwirtschaft.de

[Quelle: www.wir-haben-es-satt.de]

[Quelle: www.wir-haben-es-satt.de]

30. August 2017 – AbL begrüßt geplante Änderungen in der landwirtschaftlichen Investitionsförderung

„Endlich begibt sich auch Thüringen auf den Weg und stellt die Weichen für einen Umbau der Nutztierhaltung. Die geplante Einführung von Tierobergrenzen bei der Förderung von Stallbauten ist ein erster Schritt und ermöglicht viele weitere“, so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL), Michael Grolm.

„Schon lange ist sich die Zivilgesellschaft einig, daß es ein „Weiter so!“ in der Landwirtschaft nicht geben darf, wenn der rasante Abbau der Tierhaltung der letzten Jahrzehnte in Thüringen gestoppt und die Haltungsbedingungen für unsere Nutztiere verbessert werden soll. Nun endlich hat auch die Politik erkannt: wir brauchen Klasse statt Masse! Mit dem Geld, welches in Zukunft hoffentlich nicht mehr in Megaställe fließen wird, lassen sich viele bäuerliche und tiergerechte Haltungsformen fördern; so etwa der Weidegang von Milchvieh und die Haltung der Tiere auf Stroh. Vielen nachhaltig wirtschaftenden Betrieben wird dies ihre Existenz sichern können. Wir haben in der Vergangenheit ganz konkrete Vorschläge dazu unterbreitet und werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, daß diese umgesetzt werden“, sagt Grolm.