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Streuobstwiesen sind ein altes Kulturgut…

Streuobstwiesen sind ein traditioneller Bestandteil der Kulturlandschaft in Thüringen. Aber nicht nur aus Tradition liegen sie uns in der AbL besonders am Herzen. Auf Streuobstwiesen kommen Landwirtschaft und Naturschutz auf einem extensiv genutzen Stück Land zusammen. Hier gibt es das Grünland, das für Mahd oder Weide genutzt werden kann, und es gibt gibt Bäume die einen Ertrag an ganz vielfältigen Früchten wie Mostäpfeln und Tafelbirnen, Walnüssen und Süßkirschen, Dörrpflaumen und Esskastanien liefern. Oft wachsen auf Streuobstwiesen Obstsorten, die in keinem Handel zu kaufen sind. Oder wann haben Sie das letzte mal die gelben Ananasrenetten oder den saftigen Kaiser Wilhelm zum Verkauf gesehen? Während manche Streuobstwiesen privat beerntet werden, stehen andere auch der Allgemeinheit zur Verfügung und stellen damit eine Allmende – eine nachbarschaftlich nutzbare Resource – da.

… und ein ökologisch wertvolles Biotop

Daneben sind Streuobstwiesen auch ein artenreiches Biotop, das nicht nur bei Siebenschläfer, Wendehals und Admiral beliebt ist, sondern auch besonderen gestzlichen Schutz genießt. Der ökologische Wert als Biotop ergibt sich aus dem Zusammenspiel von offenem, extensiv genutztem Grünland und frei stehenden Bäumen, die ein hohes Alter erreichen. Die hohe Anzahl an Pflanzenarten bietet vielfältige Futtermöglichkeiten für pflanzenfressende Arten wie Raupen oder blütenbestäubenden Arten wie Schwebefliegen. Hinzu kommen auf der Streuobstwiese die holzbewohnenden Insekten.

Die regelmäßige Pflege ist wichtig

Sowohl für den langfristig gesicherten Ertrag als auch für den hohen ökologischen Wert muss eine Streuobstwiese regelmäßig gepflegt werden. Zu der Pflege gehören zum Einen eine Nutzung des Grünlandes durch Mahd oder Weide. Zum anderen müssen die Obstbäume als Kulturpflanzen regelmäßig geschnitten werden. Im jungen Stadium – in etwa die ersten 15 Jahre lang – braucht es jedes Jahr einen Erziehungsschnitt um langfristig stabile Kronen aufzubauen. Bei ordentlicher Pflege verringert sich das Schnittinterval mit zunehmendem Alter, sodass Altbäume mit ihren 70 bis 100 Jahren auch dann gut in Schuss sein können, wenn sie nur alle 7 Jahren einen Schnitt erhalten.

Zur Pflege des Baumbestandes gehört es auch, abgängige Bäume durch Neupflanzungen zu ersetzen.

Großteil der Streuobstwiesen in Thüringen in keinem guten Zustand

Von den etwa 20.000 Streuobstwiesen, die es in Thüringen gibt, wird der ganz große Anteil nicht ordentlich gepflegt. Oft ist das Wissen um diese Pflege verloren gegangen und es fehlt das Geld, diese Arbeit zu bezahlen. Denn Streuobstwiesen können nur in wenigen Ausnahmefällen ökonomisch rentabel betrieben werden. Die Bäume vergreisen, sind nicht mehr so ästhetisch, über die Zeit hinweg sinkt der Ertrag und die Fruchtqualittät. Schlussendlich erreichen viele ungepflegte Bäume kein hohes Alter, obwohl just diese großen Altbäume sehr zum hohen ökologischen Wert beitragen könnten.

Hinzu kommt, dass viele Obstbäume noch sehr an den vergangenen trockenen Sommern leiden. Sind die Bäume einem Trockenstress ausgesetzt, so hat es zum Beispiel der Schwarze Rindenbrand, ein parasitärer Pilz, leichtes Spiel die Bäume zu befallen. Als Folge kommen Splintholzkäfer und holzersetzende Pilzarten durch die Rinde und können den Bäumen irreparablen Schaden zufügen.

Die AbL vermittelt fachgerechte Pflege von Streuobstwiesen in Thüringen

Als AbL Mittelthüringen haben wir im Rahmen vom Sonderfonds Insektenschutz Gelder vom Bund und vom Freistaat Thüringen erhalten um Streuostwiesen in Thüringen wieder in einen gepflegten Zustand zu versetzen. Dies können sowohl private, als auch öffentliche Wiesen sein, sobald mindestens 20 hochstämmige Obstbäume zusammen auf einer Fläche stehen und es keine anderweitigen Förderungen oder Verpflichtungen zur Pflege der betreffenden Streuobstwiese gibt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Landkreisen Kyffhäuser, Nordhausen, Unstrut-Hainich, Saale-Holzland und Gotha. Aber auch Streuobstwiesen im Rest von Thüringen sind nicht ausgeschlossen.

Wir wollen dabei verschiedene Interessengruppen um eine Streuobstwiese, wie etwa Schäfereien, Imkereien, Nachbarschaften, Naturschützer*innen, Mostereien und sonstige Interessierte zusammen bringen um gemeinsam Verantwortung für eine jeweilige Streuobstwiese zu übernehmen. Wir können ausgebildete Baumwärt*innen für die Pflegemaßnahmen vermitteln und finanzieren.

Haben Sie Bezug zu einer Streuobstwiese, die dringender Pflege bedarf? Melden Sie sich gerne unter

Streuobst@abl-ev.de